Wenn ich mir Websites von Selbständigen anschaue, sehe ich oft dasselbe Muster. Die Seite sieht modern aus, die Farben passen, das Logo sitzt. Und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl.
Nicht wegen des Designs, sondern weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll. Die Seite führt nicht. Sie gibt keine Richtung, keinen klaren Einstieg, keine Idee davon, was als Nächstes passieren soll.
Was eine User Journey ist
Die User Journey beschreibt den Weg, den ein Mensch vom ersten Kontakt bis zur Entscheidung geht. Bei Selbständigen sieht er oft so aus:
- Aufmerksam werden: über einen LinkedIn-Beitrag, eine Empfehlung oder eine Google-Suche
- Orientieren: Bin ich hier richtig? Was genau wird angeboten?
- Prüfen: Kann diese Person das? Was sagen andere? Was kostet es?
- Entscheiden: Anfrage schicken, anrufen, Termin buchen
- Danach: Wie läuft es nach der Anfrage weiter?
Nutzerführung ist das, was deine Website tut, damit Menschen diesen Weg ohne Umwege gehen. Wer weiß, an welcher Stelle seine Besucher gerade stehen, kann ihnen die passende Information und den passenden nächsten Schritt geben.
Gutes Design braucht Struktur
Design ist ein Werkzeug, kein Feuerwerk. Eine Website kann noch so schön sein, ohne roten Faden verliert sie ihre Wirkung. Besucher müssen schnell verstehen:
- Worum geht es hier?
- Was bringt mir das?
- Was kann ich jetzt tun?
Bleiben diese Fragen offen, klicken sie weiter.
Die Startseite als Sackgasse
Viele behandeln ihre Startseite wie ein Schaufenster. Hier ein Teaser zum Angebot, dort ein Projekt, ein Zitat, ein paar Logos, und ganz unten irgendwo der Kontakt. Was fehlt, ist eine klare Linie.
Menschen orientieren sich nicht gern selbst, sie lassen sich lieber führen. Wenn du keinen Weg vorgibst, entscheidet sich niemand.
Nutzerführung heißt, Entscheidungen leicht zu machen
Eine gut aufgebaute Website ist kein Inhaltsverzeichnis. Sie ist ein Gespräch, das sich Schritt für Schritt entfaltet:
- Klare Botschaft: Was machst du, für wen, und warum ist das relevant?
- Problem: Was beschäftigt deine Zielgruppe?
- Lösung: Wie hilfst du, und was ist an deinem Ansatz besonders?
- Belege: Kundenstimmen, Beispiele, Ablauf.
- Entscheidung: Kontakt aufnehmen, Projekt anfragen, Termin buchen.
Der nächste Schritt kommt nicht nach fünf Sekunden, aber er ist auch nicht im Footer versteckt. Wie die Startseite nach diesem Muster aussieht, steht im Beitrag So gestaltest du eine Startseite, die Besucher führt.
Deine User Journey in 20 Minuten
Du brauchst kein Workshop-Format, um deine eigene User Journey zu skizzieren. Ein Blatt Papier reicht:
- Schreib die fünf Phasen von oben untereinander.
- Notiere zu jeder Phase die wichtigste Frage deiner Kunden, etwa „Was kostet das ungefähr?“.
- Schreib daneben, welche Seite oder welcher Abschnitt deiner Website diese Frage beantwortet.
- Markiere die Stellen, an denen nichts steht.
Die Lücken sind deine nächsten Aufgaben. Oft fehlt eine klare Antwort auf die Preisfrage oder ein sichtbarer nächster Schritt am Ende einer Seite.
Vier typische Fehler
Zu viele Menüpunkte
Sieben Hauptpunkte plus Untermenüs wirken eher wie eine Sitemap als wie eine Einladung. Wenige klare Einstiege reichen meist, und das Menü muss auf dem Handy genauso verständlich sein wie am Rechner.
Alles gleich wichtig
Wenn Kundenstimmen, Angebot, Blog und Über mich gleich prominent auf der Startseite stehen, fehlt die Rangfolge. Frag dich, was der wichtigste erste Schritt ist und was danach kommt.
Kein nächster Schritt
Du hast jemanden überzeugt, aber es gibt keinen Button, keinen Hinweis, keine Richtung. Jeder Abschnitt sollte eine logische Anschlussmöglichkeit bieten, etwa zur passenden Leistungsseite oder zur Anfrage. Wie du diese Schritte formulierst, steht im Beitrag Gute Call to Actions für deine Website.
Du sprichst über dich, nicht mit dem Besucher
„Ich bin XY und arbeite seit zwölf Jahren …“ ist für Besucher weniger spannend als die Frage, was sie davon haben.
Woran du gute Nutzerführung erkennst
- Ein starker Einstieg, der sofort sagt, worum es geht
- Eine aufgeräumte Navigation, die keine Fragen offenlässt
- Buttons an den richtigen Stellen, die sich natürlich anfühlen
- Eine Struktur, die den Weg deiner Kunden in den Mittelpunkt stellt, nicht deine Selbstdarstellung
- Orientierungshilfen wie eine Brotkrumen-Navigation oder ein Inhaltsverzeichnis auf langen Seiten
Gute Führung hilft übrigens auch Menschen, die mit Tastatur oder Screenreader unterwegs sind. Eine klare Überschriften-Struktur und eindeutige Linktexte sind für sie der rote Faden.
Kurz zusammengefasst
Eine schöne Website ist nett, eine gut geführte Website wirkt. Wenn deine Seite gut aussieht, aber keine Anfragen bringt, liegt es selten an der Optik und oft an der fehlenden Führung. Das lässt sich ändern, mit einem klaren Aufbau und dem Mut, nicht alles gleichzeitig zu zeigen.
Warum Design vor allem führen muss, steht im Beitrag Was gutes Webdesign ausmacht.
Titelbild: Foto über rawpixel, Lizenz CC0 (öffnet in neuem Tab), gefunden über Openverse.



