Texte sind wichtig, Design auch. Aber beim ersten Eindruck einer Website sprechen oft die Bilder zuerst. Und genau dort entscheidet sich, ob deine Bilder ehrlich wirken oder nach Baukasten.
Bilder sind mehr als Dekoration. Sie transportieren Stimmung, Haltung und Persönlichkeit, und vor allem Vertrauen.
Warum Bildsprache kein Detail ist
Die meisten Menschen lesen eine Website nicht, sie überfliegen sie. Dabei nehmen sie Farben, Gesichter und Räume wahr, lange bevor sie einen Satz lesen. Passt ein Bild nicht, kippt das Gefühl. Die Seite wirkt plötzlich unecht, auch wenn der Text stimmt. Mehr zum ersten Eindruck steht im Beitrag Wie eine Website auf den ersten Blick vertrauenswürdig wirkt.
Was Stockfotos so verräterisch macht
Stockfotos sind verlockend. Sie sehen hochwertig aus, sind schnell eingebunden und kosten wenig. Das Problem ist, dass man sie erkennt. Die typischen Merkmale:
- Zu perfekte Mimik: das aufgesetzte Lächeln vor dem Laptop
- Künstliche Umgebung: weiße Studios und Büros, die niemand hat
- Klischee-Motive: Handschlag vor Glasfassade, Team beim High-Five, Frau mit Headset
- Beliebigkeit: Das Bild könnte auf jeder anderen Website stehen, und oft steht es dort auch
Wer so ein Bild erkennt, denkt schnell, dass sich hier jemand keine Mühe gegeben hat. Und wenn schon die Bilder gestellt sind, was ist dann noch echt?
Welche Bilder auf deine Website gehören
Ein starkes Bild kann Nähe aufbauen, Professionalität zeigen und Kontext geben. Du musst nicht schreiben, dass du nahbar, sorgfältig oder kreativ bist, wenn dein Foto das schon zeigt.
Zeig dich
Ein gutes Foto von dir wirkt stärker als jedes Stockbild von „Teamwork am Laptop“. Professionell heißt dabei nicht steif. Es heißt gutes Licht, gute Qualität und ein Ausdruck, der zu dir passt.
- Natürliches Licht ist besser als Blitz.
- Deine normale Kleidung ist besser als ein Kostüm.
- Ein entspannter Blick ist besser als ein gezwungenes Lächeln.
- Deine echte Umgebung ist besser als ein neutraler Hintergrund.
Zeig, wie du arbeitest
Ein Blick hinter die Kulissen wirkt, weil er zeigt, dass hier wirklich etwas passiert. Ein paar Ideen:
- Coaching und Beratung: Flipchart mit echten Notizen, der Raum vor einem Workshop, dein Setup für Videocalls
- Handwerk: deine Hände bei der Arbeit, Werkzeug mit Gebrauchsspuren, ein Projekt in der Entstehung
- Praxis oder Kanzlei: die echten Räume, freundlich und aufgeräumt, aber nicht steril
- Design und Web: Skizzen auf Papier, dein Arbeitsplatz, ein Projekt am Bildschirm
Kleine Unperfektheiten wie ein benutzter Kaffeebecher oder ein Kabel im Bild sind kein Makel. Sie zeigen, dass hier jemand wirklich arbeitet.
Zeig keine falsche Größe
Wenn du allein arbeitest, brauchst du kein Bild von fünf Models vor einem Whiteboard. Das fällt auf und untergräbt deine Glaubwürdigkeit. Ein kompetenter Einzelunternehmer wirkt besser als ein Team, das es nicht gibt.
Wann ein Stockfoto in Ordnung ist
Manchmal geht es nicht ohne. Für Themen, die sich schlecht fotografieren lassen, oder für Blogbeiträge wie diesen. Dann gilt:
- Bewusst auswählen. Such nach konkreten Motiven statt nach „Business Meeting“. Je spezieller der Suchbegriff, desto weniger austauschbar das Bild.
- Nicht für die wichtigen Stellen. Dein Porträt, die Über-mich-Seite und die Startseite verdienen echte Fotos.
- Einheitlich halten. Ähnliche Farben und Stimmung, damit die Seite nicht zusammengewürfelt wirkt.
- Lizenz prüfen. Auch kostenlose Bilder haben Bedingungen. Bei Bildern unter CC0 darfst du sie frei nutzen, eine Quellenangabe ist trotzdem fair.
Gute Alternativen sind eigene Fotos mit dem Handy, Screenshots aus deiner Arbeit oder einfache Grafiken.
Gute Fotos mit dem Smartphone
Du brauchst nicht immer einen Profi. Mit ein paar Regeln werden auch Handyfotos brauchbar:
- Licht: Tageslicht nutzen, nicht gegen das Fenster fotografieren, Licht von vorn oder leicht seitlich.
- Bildaufbau: Das Wichtigste nicht immer in die Mitte setzen, auf Augenhöhe fotografieren, den Hintergrund bewusst wählen.
- Technik: Mehrere Fotos machen und das beste nehmen, nicht digital zoomen, das Handy ruhig halten.
Für dein Hauptporträt und Fotos, die verkaufen sollen, lohnt sich ein Fotograf oder eine Fotografin trotzdem. Professionelle Bilder für die Website nutzt du jahrelang, auch auf LinkedIn und im Google-Unternehmensprofil. Dein Gesicht ist Teil deiner Marke.
Bilder für die Website optimieren
Ein schönes Bild, das die Seite ausbremst, kostet Besucher. Vier Punkte machen den größten Unterschied:
- Format: Fotos als WebP oder AVIF statt JPG, Logos und Icons als SVG.
- Größe: Nicht das 6.000-Pixel-Original hochladen. Gute Systeme liefern automatisch passende Größen für Handy und Rechner aus.
- Ladereihenfolge: Das große Bild ganz oben lädt sofort, alle weiter unten erst, wenn man dorthin scrollt.
- Dateiname und Alternativtext: „steuerberaterin-bamberg-buero.webp“ statt „IMG_4711.jpg“, dazu ein Alternativtext, der beschreibt, was zu sehen ist.
Eine ausführliche Anleitung steht im Beitrag Bilder für die Website komprimieren mit WebP und AVIF. Ob deine Bilder zu langsam laden, zeigt der Wert LCP. Was dahintersteckt, erklärt der Ratgeber zu den Core Web Vitals.
Häufige Fehler
- Zu viele Stile: Stockfoto hier, Handyfoto da, Studioaufnahme dort. Lieber weniger Bilder, dafür einheitlich.
- Bilder ohne Bezug zum Text: Jedes Bild sollte etwas zum Inhalt beitragen.
- Fehlende Alternativtexte: Sie helfen Menschen mit Screenreader und Suchmaschinen. Beschreibe, was auf dem Bild zu sehen ist und warum es wichtig ist.
- Riesige Dateien: Große Bilder bremsen die Ladezeit, besonders unterwegs auf dem Handy.
Rechtliches in Kürze
Wenn auf deinen Fotos andere Menschen erkennbar sind, brauchst du ihre Einwilligung. Fremde Bilder darfst du nur nutzen, wenn die Lizenz es erlaubt. Auch bei kostenlosen Plattformen lohnt ein Blick in die Bedingungen.
Kurz zusammengefasst
Menschen kaufen von Menschen, und sie vertrauen dem, was echt aussieht. Ein ehrliches Foto von dir und deiner Arbeit bringt mehr als jedes perfekte Stockbild. Fang mit einem Blick auf deine aktuelle Website an. Welche Bilder wirken austauschbar? Die ersetzt du zuerst.
Wo dein bestes Porträt hingehört, steht im Beitrag So schreibst du einen Über-mich-Text, der Vertrauen schafft. Wie Bilder, Texte und Aufbau zusammenspielen, zeige ich dir gern an deinem eigenen Projekt. Mehr dazu unter Website erstellen lassen.
Titelbild: Foto von Andrew E Weber über StockSnap, Lizenz CC0 (öffnet in neuem Tab), gefunden über Openverse.



