Viele Websites klingen heute gleich, wertschätzend, empathisch, inspirierend. Und trotzdem wirken sie nicht. Weil sie nicht klar sind.
Menschen vertrauen nicht, weil etwas nett formuliert ist. Sie vertrauen, wenn sie sofort verstehen, worum es geht, was sie bekommen und ob sie hier richtig sind.
Nett ist nicht klar
- Nette Texte versuchen zu gefallen.
- Klare Texte treffen eine Aussage.
Ein klarer Text sagt „Das ist mein Angebot. Für diese Menschen. Auf diese Weise“.
Ein netter Text sagt „Ich begleite dich empathisch, individuell und lösungsorientiert“. Und lässt den Leser mit einem „Ja, und?“ zurück.
Klarheit schafft Orientierung
Wer auf deine Website kommt, will vor allem eins, verstehen, ob du zu ihm passt. Das gelingt, wenn deine Sprache
- konkret ist statt vage,
- einfach ist statt verkünstelt,
- geordnet ist statt ausschweifend,
- zielgerichtet ist statt dekorativ.
Drei schöne, aber wirkungslose Sätze
„Ich liebe es, Menschen auf ihrer Reise zu begleiten.“
Was heißt das? Für wen? Wobei? Und warum gerade du?
Besser: „Ich helfe Selbständigen, mit klarer Sprache und durchdachtem Design die richtigen Kunden anzusprechen.“
„Ich arbeite ganzheitlich, individuell und auf Augenhöhe.“
Klingt angenehm, sagt aber nichts über dein Angebot.
Besser: „Du bekommst keine Vorlage, sondern eine Website, die zu dir und deinen Kunden passt, zum Festpreis und mit festem Ablauf.“
„Ich bringe Klarheit in komplexe Prozesse.“
Welche Prozesse? Für wen? Wie genau?
Besser: „Ich übersetze dein Fachwissen in klare Texte und eine einfache Struktur, damit aus Besuchern Anfragen werden.“
So verbesserst du deine Website-Texte
- Erster Absatz zuerst: Er muss sagen, was du machst und für wen. Alles andere kann warten.
- Adjektive prüfen: Streich Wörter, die dich nur loben, wie „kompetent“, „erfahren“, „leidenschaftlich“. Ersetze sie durch einen Beleg.
- Ein Gedanke pro Satz: Wenn ein Satz zwei Kommas und ein „sowie“ hat, teil ihn.
- Aktiv schreiben: „Ich prüfe deine Website“ statt „Ihre Website wird geprüft“.
- Fachwörter übersetzen: Wenn ein Begriff nötig ist, erklär ihn beim ersten Auftauchen in einem Halbsatz.
- Überschriften als Aussagen: Wer nur die Überschriften liest, sollte verstehen, worum es geht.
Nicht einfacher klingen, sondern einfacher sein
Es geht nicht darum, locker zu schreiben. Es geht darum, verständlich zu schreiben. Das erreichst du nicht durch Ausrufezeichen oder betont lässige Sprache, sondern durch
- einen klaren Einstieg,
- ein nachvollziehbares Angebot,
- eine erkennbare Struktur,
- eine Sprache, die zu dir passt.
Verständliche Texte helfen übrigens allen, auch Menschen, die nicht in ihrer Muttersprache lesen, die müde sind oder eine Leseschwäche haben. Klarheit ist auch ein Stück Barrierefreiheit.
Ein einfacher Test
Lies den ersten Absatz deiner Startseite jemandem vor, der dich nicht kennt. Kann er danach in einem Satz sagen, was du machst und für wen? Wenn nicht, ist der Text noch nicht klar genug.
Kurz zusammengefasst
Menschen vertrauen, wenn sie nicht raten müssen. Wenn ich erst überlegen muss, was du eigentlich machst, bin ich weg. Wenn ich sofort verstehe, wofür du stehst, bleibe ich.
Welche Formulierungen du am besten ganz streichst, steht im Beitrag Floskeln vermeiden. Und wie du einen Text Schritt für Schritt aufbaust, im Beitrag Website-Texte schreiben in fünf Schritten.
Titelbild: Foto von Matt Bango über StockSnap, Lizenz CC0 (öffnet in neuem Tab), gefunden über Openverse.



