„Ich begleite Menschen auf ihrem Weg.“ „Mit Herz und Verstand.“ „Individuell. Authentisch. Maßgeschneidert.“
Klingt nett. Sagt aber nichts. Solche Sätze stehen auf unzähligen Websites. Sie sind wie „Wie geht's?“ im Vorbeigehen. Jeder sagt es, kaum jemand meint es, und es entsteht keine Verbindung.
Wenn du ernst genommen werden willst, brauchst du Sätze mit Substanz.
Warum Floskeln schaden
Floskeln sind wie weiße Farbe. Sie decken alles ab und zeigen nichts. Texte werden glatt, freundlich und ungefährlich, aber auch austauschbar.
Leser haben ein feines Gespür dafür. Bei bekannten Phrasen schalten sie auf Überfliegen um und nehmen den Rest nicht mehr ernst.
Der Austauschbarkeits-Test
Nimm einen Satz von deiner Website und frag dich, ob er genauso auf der Website deiner Konkurrenz stehen könnte. Wenn ja, hilft er dir nicht. Er unterscheidet dich nicht und macht dich nicht merkbar.
Die bekanntesten Floskeln und was du stattdessen schreibst
„Maßgeschneidert“
Jeder behauptet es, deshalb glaubt es niemand. Zeig es lieber.
- Statt „Maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen“
- besser „Im ersten Gespräch kläre ich, ob mein Ansatz zu deinem Problem passt. Wenn nicht, empfehle ich dir jemand anderen.“
„Ich begleite Menschen auf ihrem Weg“
Wer Menschen begleitet, macht alles und nichts. Werde konkret.
- Statt „Ich begleite Menschen auf ihrem Weg zur Selbstverwirklichung.“
- besser „Ich helfe Führungskräften, schwierige Gespräche zu führen, ohne dass danach alle verletzt sind.“
„Mit Herz und Verstand“
Niemand arbeitet bewusst ohne Herz oder ohne Verstand. Zeig Einfühlungsvermögen durch deine Sprache.
- Statt „Steuerberatung mit Herz und Verstand“
- besser „Ich erkläre dir deine Steuern so, dass du sie verstehst, ohne Fachchinesisch.“
„Authentisch“
Wer betont, authentisch zu sein, wirkt in diesem Moment eher nicht so. Echtheit zeigt sich im Handeln.
- Statt „Authentische Beratung auf Augenhöhe“
- besser „Ich sage dir ehrlich, wenn du meine Hilfe nicht brauchst.“
„Ganzheitlich“
Klingt umfassend, ist aber meist nur unkonkret. Erkläre, was du anders machst.
- Statt „Ganzheitliche Unternehmensberatung“
- besser „Ich schaue nicht nur auf deine Zahlen, sondern auch darauf, wie dein Team arbeitet. Die beste Strategie nützt nichts, wenn sie niemand umsetzt.“
Floskeln Beispiele, die du streichen kannst
Diese Formulierungen findest du auf sehr vielen Websites. Daneben steht, was du stattdessen tun kannst.
- „Herzlich willkommen auf unserer Website“: direkt mit dem Angebot beginnen
- „Ihr Partner für …“: sagen, was du für wen machst
- „Kompetent. Zuverlässig. Persönlich.“: ein Beispiel, das jede Eigenschaft belegt
- „Qualität, die überzeugt“: zeigen, woran man die Qualität erkennt
- „Innovative Lösungen“: benennen, was neu oder anders ist
- „State of the Art“: sagen, welche Technik du nutzt und was sie bringt
- „Kundenzufriedenheit steht bei uns an erster Stelle“: echte Kundenstimmen zeigen
- „Leidenschaftlich“: erzählen, warum du das machst
- „Kundenorientiert“: beschreiben, wie die Zusammenarbeit abläuft
- „Auf Augenhöhe“: sagen, wie du mit Kunden sprichst und entscheidest
- „Potenziale entfalten“: das konkrete Ergebnis nennen
- „Blockaden lösen“: beschreiben, welches Problem danach weg ist
- „Mehrwert schaffen“: den Nutzen in einem Satz benennen
- „Wir bieten ein breites Leistungsspektrum“: das Hauptangebot nach vorn stellen
- „Von der Idee bis zur Umsetzung“: die Schritte des Ablaufs zeigen
- „Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren“: einen konkreten nächsten Schritt anbieten
- „Wir freuen uns auf Ihre Anfrage“: sagen, was nach der Anfrage passiert und wann du antwortest
- „Last but not least“: einfach weglassen
Sie alle klingen wichtig, sagen aber nichts Konkretes.
Was stattdessen auf deine Website gehört
Deine echte Arbeitsweise
„Mein erstes Gespräch mit neuen Kunden dauert eine Stunde. Nicht, weil ich gern rede, sondern weil das eigentliche Problem oft ein anderes ist als das, mit dem sie kommen.“
Deine Grenzen
„Ich arbeite mit Selbständigen und kleinen Teams. Für große Konzernprojekte gibt es bessere Partner.“
Ehrlichkeit über deine Grenzen schafft Vertrauen.
Echte Ergebnisse
Konkrete Ergebnisse überzeugen, aber nur, wenn sie stimmen. Nutze echte Kundenstimmen und Zahlen, die du belegen kannst. Erfundene Prozentzahlen fallen auf und kosten genau das Vertrauen, das du aufbauen willst.
Weniger „Ich bin“, mehr „Du bekommst“
„Ich bin eine erfahrene Trainerin mit …“ wird zu „Du lernst, wie du …“. Der Leser steht im Mittelpunkt, nicht deine Selbstbeschreibung.
So entrümpelst du deine Texte
- Markieren: Streich alle Sätze an, die Eigenschaften ohne Beispiel nennen, mit „Ich bin“ oder „Wir sind“ beginnen oder in jeder Branche stehen könnten.
- Den Kern finden: Frag dich, was du eigentlich sagen wolltest und welches Beispiel das belegt.
- Neu formulieren: Ersetze die Floskel durch ein Beispiel, ein Ergebnis oder eine ehrliche Einschätzung.
- Laut lesen: Würdest du den Satz so zu einem Kunden sagen? Wenn nicht, schreib ihn um.
„Aber ich will professionell wirken“
Professionell heißt nicht allgemein. Professionell ist, wer klar kommuniziert, verlässlich liefert und ehrlich einschätzt. Phrasen und große Versprechen wirken eher unprofessionell.
Und wenn klare Worte ein paar Menschen abschrecken, sind das meist die, die ohnehin nicht zu dir gepasst hätten.
Kurz zusammengefasst
Sag, was du meinst, und meine, was du sagst. Gute Websites wirken nicht, weil sie glatt sind, sondern weil sie klar sind. In einem Umfeld voller Floskeln fällt ein konkreter Satz sofort auf.
Wie du deine eigene Sprache findest, steht im Beitrag So findest du die Tonalität deiner Website.
Titelbild: Foto von Words as Pictures über StockSnap, Lizenz CC0 (öffnet in neuem Tab), gefunden über Openverse.



